Interaction to Next Paint
Was ist Interaction to Next Paint (INP)?
Interaction to Next Paint (INP) ist eine Metrik der Core Web Vitals, die die ReaktionsfĂ€higkeit einer Webseite misst. INP erfasst die Verzögerung zwischen einer Nutzerinteraktion â etwa einem Klick, Tippen oder einer Tastatureingabe â und der nĂ€chsten sichtbaren Reaktion auf dem Bildschirm, und zwar ĂŒber die gesamte Dauer des Seitenbesuchs. Seit MĂ€rz 2024 ist INP ein stabiles Core Web Vital und ersetzt die frĂŒhere Metrik First Input Delay (FID). Als guter Wert gilt eine Verzögerung von maximal 200 Millisekunden am 75. Perzentil aller Seitenaufrufe.

INP beantwortet eine einfache Frage aus Nutzersicht: Wie schnell reagiert die Seite, wenn ich etwas anklicke oder eintippe? Eine Seite kann blitzschnell laden und trotzdem trĂ€ge wirken, wenn jeder Klick eine spĂŒrbare Gedenksekunde braucht. Genau diese gefĂŒhlte TrĂ€gheit macht INP messbar â und damit zu einem festen Bestandteil jeder technischen Core Web Vitals-Optimierung.
Kurzprofil des Begriffs
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Kategorie | Core-Web-Vitals-Metrik (Feldmetrik fĂŒr ReaktionsfĂ€higkeit) |
| AbkĂŒrzung | INP (Interaction to Next Paint) |
| Einheit | Millisekunden (ms) |
| Guter Wert | †200 ms am 75. Perzentil |
| EingefĂŒhrt | Stabiles Core Web Vital seit 12. MĂ€rz 2024 (ersetzt FID) |
| Verwandte Begriffe | Core Web Vitals, LCP, CLS, First Input Delay (FID) |
Was ist INP genau?
INP misst die gesamte Latenz einer Interaktion â nicht nur den Moment, in dem der Browser die Eingabe entgegennimmt. Jede Interaktion durchlĂ€uft drei Phasen, und INP addiert sie zur vollstĂ€ndigen Verzögerung bis zum nĂ€chsten gerenderten Bild (dem ânext paint“):
- Input Delay (Eingabeverzögerung): Die Zeit vom Klick bis zum Start der Verarbeitung. Ist der Haupt-Thread gerade mit einer langen Aufgabe blockiert, wartet die Eingabe.
- Processing Time (Verarbeitungszeit): Die Dauer, die der zugehörige Event-Handler im JavaScript braucht, um die Reaktion zu berechnen.
- Presentation Delay (Darstellungsverzögerung): Die Zeit, bis der Browser das Ergebnis tatsÀchlich auf den Bildschirm zeichnet.
Ăber den gesamten Seitenbesuch sammelt der Browser alle Interaktionen und meldet am Ende einen einzigen, reprĂ€sentativen Wert â bei den meisten Seiten die langsamste Interaktion. Klicks, Taps und Tastatureingaben zĂ€hlen dazu; reines Scrollen und Hovern nicht, weil sie keine unmittelbare gerenderte Reaktion auslösen mĂŒssen.
Was ist ein guter INP-Wert?
Ein guter INP-Wert liegt bei maximal 200 Millisekunden. Google bewertet INP â wie alle Core Web Vitals â am 75. Perzentil: Mindestens 75 Prozent aller Seitenaufrufe mĂŒssen den Schwellenwert einhalten, damit die Seite als âgut“ gilt. Es gibt drei Bewertungsstufen:
- Gut: 200 ms oder schneller. Die Seite fĂŒhlt sich flĂŒssig an, Interaktionen wirken unmittelbar.
- VerbesserungswĂŒrdig: zwischen 200 ms und 500 ms. Nutzer spĂŒren eine leichte Verzögerung.
- Schlecht: ĂŒber 500 ms. Die Seite reagiert spĂŒrbar trĂ€ge, was AbsprĂŒnge begĂŒnstigt.
Wichtig: Der 75.-Perzentil-Ansatz bedeutet, dass einzelne langsame Interaktionen die gesamte Bewertung kippen können. Es reicht nicht, dass die Seite âmeistens“ schnell reagiert â auch die selteneren, schweren Interaktionen mĂŒssen im Rahmen bleiben. Wie schnell die Seite lĂ€dt, misst dagegen der Largest Contentful Paint (LCP); wie stabil das Layout bleibt, der Cumulative Layout Shift (CLS).
INP vs. FID: Was ist neu?
INP hat First Input Delay (FID) als Core Web Vital abgelöst, weil es die ReaktionsfÀhigkeit einer Seite deutlich vollstÀndiger abbildet. Der Unterschied liegt in drei Punkten:
- Alle Interaktionen statt nur der ersten: FID maĂ ausschlieĂlich die Verzögerung der ersten Interaktion auf einer Seite. INP berĂŒcksichtigt alle Interaktionen wĂ€hrend des gesamten Besuchs.
- Volle Latenz statt nur Input Delay: FID erfasste nur die Eingabeverzögerung bis zum Start der Verarbeitung. INP misst die komplette Kette bis zum sichtbaren Ergebnis â inklusive Verarbeitung und Darstellung.
- Realistischeres Bild: Weil FID nur den ersten Klick und nur dessen Anfang maĂ, erzielten viele Seiten gute FID-Werte, obwohl sie sich im weiteren Verlauf trĂ€ge anfĂŒhlten. INP deckt diese LĂŒcke.
Am 12. MĂ€rz 2024 wurde INP offiziell zum stabilen Core Web Vital, FID wurde im September 2024 aus den Core Web Vitals entfernt. FĂŒr die Praxis heiĂt das: Wer seine Seite frĂŒher auf einen guten FID-Wert optimiert hat, sollte den INP separat prĂŒfen â ein guter alter FID-Wert garantiert keinen guten INP.
Wie wird INP gemessen?
INP wird primÀr mit Felddaten echter Nutzer gemessen (Field Data), lÀsst sich aber auch im Labor annÀhern. Beide Perspektiven ergÀnzen sich:
- Felddaten (maĂgeblich): Der Chrome User Experience Report (CrUX) sammelt anonymisierte INP-Werte echter Chrome-Nutzer. Diese Daten flieĂen in die Google Search Console und in PageSpeed Insights ein. Nur Felddaten zĂ€hlen fĂŒr die offizielle Core-Web-Vitals-Bewertung.
- Labordaten (zur Diagnose): Werkzeuge wie Lighthouse oder die Chrome DevTools simulieren Interaktionen, um konkrete EngpÀsse zu finden. Da im Labor keine echten Nutzer klicken, ist der Laborwert nur eine AnnÀherung.
FĂŒr eine belastbare Bewertung braucht es genĂŒgend echten Traffic, damit CrUX-Daten vorliegen. Fehlen sie, hilft nur die Labor-Diagnose â oder ein eigenes Real-User-Monitoring, das die INP-Werte der Besucher direkt im Browser erfasst.
Wie verbessert man INP?
INP verbessert man vor allem, indem man den Haupt-Thread des Browsers entlastet â denn die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr schlechte Werte ist blockierendes JavaScript. Die wirksamsten Hebel:
- Lange Aufgaben aufteilen: Zerlege umfangreiche JavaScript-Aufgaben in kleinere HĂ€ppchen und gib den Haupt-Thread zwischendurch frei (Yielding), damit anstehende Interaktionen nicht warten mĂŒssen.
- Event-Handler verschlanken: Halte die Verarbeitung in Klick- und Eingabe-Handlern kurz. AufwÀndige, nicht sofort sichtbare Arbeit lÀsst sich auf spÀter verschieben.
- Rendering-Arbeit reduzieren: Ein groĂer oder tief verschachtelter DOM verlĂ€ngert die Darstellungsphase. Ein schlankes Markup verkĂŒrzt den Weg bis zum next paint.
- Third-Party-Skripte prĂŒfen: Tracking-, Chat- und Werbeskripte belegen den Haupt-Thread oft unbemerkt. Weniger oder verzögert geladene Fremdskripte entlasten die InteraktivitĂ€t spĂŒrbar.
In der Praxis ist die INP-Optimierung eng mit dem Rest des Performance-Profils verzahnt. Ein strukturierter SEO-Audit deckt auf, welche Skripte und Vorlagen die ReaktionsfĂ€higkeit ausbremsen â und in welcher Reihenfolge sich die Optimierung am meisten lohnt.
HĂ€ufige Fragen zu INP
Ist INP ein Rankingfaktor?
INP ist als Core Web Vital Teil des Page-Experience-Signals und damit ein Rankingfaktor â allerdings ein vergleichsweise schwacher. Relevanz und InhaltsqualitĂ€t wiegen deutlich schwerer. Ein guter INP schadet nie, ersetzt aber keine gute Seite.
Warum ist mein INP im Labor gut, im Feld aber schlecht?
Weil im Labor niemand wirklich klickt. Laborwerkzeuge simulieren nur einzelne Interaktionen, wĂ€hrend echte Nutzer komplexe Formulare, MenĂŒs und Filter bedienen. FĂŒr die Bewertung zĂ€hlen ausschlieĂlich die Felddaten aus CrUX.
Gilt INP auch fĂŒr mobile GerĂ€te?
Ja, und gerade dort ist er kritisch. Mobile Prozessoren sind schwÀcher, sodass blockierendes JavaScript stÀrker durchschlÀgt. Google bewertet Mobil- und Desktop-Werte getrennt.